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Zoff! Die Kehrseite der Medaille.»Die Einheit des Clans ist eine rechtliche Fiktion, insofern
sie theoretisch eine absolute Subordinierung aller anderen Interessen und Bindungen
unter die Forderungen der Clan-Solidarität verlangt, während in Wirklichkeit
gegen diese Solidarität beständig gesündigt wird. Andererseits
beherrscht zu gewissen Zeiten, vor allem in den zeremoniellen Phasen des Eingeborenenlebens,
die Clan-Einheit alles; und in Fällen öffentlicher Meinungsverschiedenheiten
und Streitigkeiten ist sie stärker als persönliche Bedenken und Schwächen.« Die Konflikte im Clan: Über Kritik und Krise, Angst und Hoffnung. Der Clan kennt alles, was das richtige Leben auch sonst bereithält: Neid, Feinde, Manipulation. Ärger, Zorn, Zoff. Kritik und Krise. Angst. Aber eben auch Hoffnung. Weil Sie all das ohnehin erwartet haben, werde ich mich hier besonders kurz halten. Mit ein paar Hinweisen nur will ich Sie vorbereiten – vielleicht finden Sie darunter ja die eine oder andere Anregung, die Ihr Clan-Leben leichter macht. Nun, denn: Nicht immer läuft alles im Clan zum Besten. Wenn Erwartungen in den Wandel gesetzt werden, wenn neue Ziele erreicht werden sollen und Veränderung angesagt ist, dann geht es manchen eben viel zu langsam, während den anderen das neue Tempo zu schaffen macht. Unruhe entsteht. Tratsch ist kaum zu vermeiden. Unsicherheit führt zu absurden Spekulationen. Auch wenn die interne Kommunikation in solchen Situationen ein wichtiges Hilfsmittel ist, oft spielt der Bauch dabei nicht mit. Denn das, was uns emotional bewegt, Unsicherheit, Furcht vor dem Neuen, Beklemmung und Versagensängste – all das lässt sich nicht einfach wegdiskutieren. Da gehören Einfühlungsvermögen, Mut, eine positive Einstellung und Toleranz dazu. Und selbst das bringt uns oft nicht weiter. Der Clan-Chef will Veränderungen anstoßen, ist dabei womöglich selbst noch ein bisschen unsicher. Er oder sie will in neue Sphären vordringen, eine neue Vision verfolgen, den Clan weiterentwickeln. Solche Zeiten des Umbruchs gehen selten ohne Schmerzen ab, denn nicht nur das Team leidet, auch dem Clan-Chef macht die neue Last zu schaffen. »Gelebtes Changemanagement« werden solche Prozesse im Slang der Unternehmensberater heute euphemistisch genannt. Unruhe macht sich breit. Wieso brauchen wir diese Veränderung? Worte des Widerstands sind zu hören. Ablehnung wird formuliert. Da bin ich nicht dabei! Ohne mich! Nachdem der erste Schock überwunden ist, setzt oft eine rationalere Akzeptanzphase ein. Man versucht es, experimentiert, fällt auf die Nase. Rückschläge tun weh. Sie behindern den Clan in der Entwicklung. Wir haben es ja probiert, heißt es bald, aber es lässt sich beim besten Willen nicht umsetzen. Jetzt sind wir am entscheidenden Punkt: Wenn es Ihnen gelingt, den Clan nicht nur rational, sondern vor allem auch auf der Gefühlsebene zu überzeugen, wenn emotionale Akzeptanz erreicht wird, dann führt diese zu wieder neuen Versuchen und zu einem noch ernsthafteren Anstreben der Visionen. Emotionale Akzeptanz: Das ist das Schlüsselwort in diesem Zusammenhang und einer der Lieblingsbegriffe von Brigitte Ziemendorf. Sie berät Unternehmen und ist auf deren Veränderungsprozesse spezialisiert; als Netzwerkpartnerin hilft sie dem Heller-Clan in diffizilen Situationen weiter. Sie hat in ihrer langjährigen Beratungspraxis erfahren, dass Konflikte nicht gelöst werden können, wenn der Wandel emotional noch nicht nachvollzogen und angenommen wurde. Ein kleiner Trick aus ihrer Schatzkiste: Wirtschaftliche Argumente für einen Veränderungsprozess können mit der »brennenden Plattform« inszeniert werden: Erst wenn der Steg, auf dem wir alle stehen, Feuer gefangen hat, erst wenn die Flammen lodern, erst dann wagen die Clan-Mitglieder den Sprung ins kalte Wasser. Während und nach dem Sprung sind Klarheit und Kommunikation sowie das Einbinden der Beteiligten die wichtigsten Erfolgsfaktoren. Was die emotionale Akzeptanz betrifft, sagt Ziemendorf: »Strategische Führungskompetenz ist der Schlüssel bei solchen Veränderungsprozessen. Erforderlich sind Mut und Konsequenz, damit emotionale Blockaden und Widerstände zeitnah und aktiv aufgearbeitet werden. Auch hierfür gilt die Kommunikationsregel: Wer fragt, der führt und steuert!« Also: Gerade in Zeiten des Wandels bedarf das Führen eines sensiblen Zugangs zu den Menschen. Zuerst müssen Sie deren Bauch überzeugen, dann wird der Kopf schon nachziehen. Zettelkasten Die Wertewelt im Clan ist eine gute Richtschnur, wenn es einmal kriselt. Die
Ursachen für Konflikte im inneren Kreis des Clans und auch an deren Peripherie
können vielfältig sein: Missverständnisse in Folge unklarer Kommunikation,
Kränkungen, verletzte Gefühle, enttäuschte Vorstellungen, aber
auch Neid, Ablehnung, Hass. Angst ist uns allen vertraut. Wir leben mit ihr. Angst beherrscht uns mitunter,
beschränkt unseren Handlungsspielraum. Ist es da verwunderlich, dass wir
Angstfreiheit als einen anzustrebenden Idealzustand verstehen? Da wir als stark,
souverän, unverletzlich gelten wollen, versuchen wir, dieses bedrohliche
Gefühl zu verhüllen: Wir sind gestresst, irritiert, angespannt, nervös,
gereizt. Nur die Angst nicht zeigen – das ist nicht cool, das ist gegen
den Zeitgeist. Was ist nun die Aufgabe jedes Clan-Mitglieds? Es lohnt sich, den Mechanismus der Herabwürdigung zu durchschauen und herauszufinden, worauf die eigenen Diffamierungsstrategien beruhen. Wenn nämlich die Angst unreflektiert bleibt, brechen sich negative und zerstörerische Energien Bahn. Setzt man sich mit der Angst jedoch auseinander, besteht immer auch die Chance, sie in positive Dynamik umzuwandeln. Dieser Energietauscheffekt funktioniert, weil im Gefühl der Angst noch andere Gefühle mitschwingen. Mut und Zuversicht zum Beispiel. Und die Hoffnung, hat der Philosoph Ernst Bloch dazu bemerkt, ersäuft die Angst. Dem Clan kommt hier eine wichtige Bedeutung zu. Durch ihn können die Kräfte der vielen Einzelnen gebündelt und ganz neue Potenziale freigesetzt werden. Ebenso kann Angst durch die Unerschrockenheit, den Optimismus, das Vertrauen und die Zuwendung der anderen Clan-Mitglieder neutralisiert werden. Wesentliche Voraussetzung ist die aktive Auseinandersetzung mit der Angst, das Hineinspüren in den Clan, zu jedem Clan-Mitglied und das Orten der Angstquellen. Also: Lokalisieren Sie die Angst. Sprechen Sie die Ursachen an. Und bewältigen Sie die Situation durch den Mut, durch die Hoffnung, durch den Zusammenhalt im Clan. So steht dem Energietauscheffekt und neuen Kräften nichts mehr im Weg. |